Unter dem Titel ÜBRIGENS stellen wir an dieser Stelle in loser Reihe Berichterstattung über und Werke aus Harald Puetz langer Karriere vor. Den Anfang machen erste Berichte aus dem Jahr 1998.
Als Harald Puetz 1986 mit seinen Bildern an die Öffentlichkeit tritt, begegnet ihm die Presse mit Neugier und Aufmerksamkeit. Seine Malerei wird dem „phantastischen Realismus“ zugerechnet, zugleich aber als unverwechselbar wahrgenommen. Hier setzt kein Künstler vertraute Vorbilder einfach fort. Puetz entwickelt eine eigenständige Bildwelt: präzise und gegenständlich, rätselhaft und offen, technisch kontrolliert und von innerer Dringlichkeit getragen.

Besonders beeindrucken die nahezu fotografische Genauigkeit, die zeichnerische Qualität und die Beherrschung von Raum, Perspektive, Farbe und Licht. Die Kritiken sprechen von Horizonten in „gläserner Transparenz“, einer „Perspektive in die Unendlichkeit“ und einem „hochkarätigen Farb- und Lichtempfinden“. Landschaften erscheinen in „geradezu irrwitzigem Licht“ oder sind von „leuchtend farbigem Licht“ erfüllt. [Bilder mit einer Perspektive in die Unendlichkeit, 12/1986] Damit zeichnet sich bereits ein Thema ab, das zum Leitmotiv seines Schaffens wird: Licht ist bei Puetz nicht nur Beleuchtung. Es schafft Raum, verwandelt Farbe, erzeugt Atmosphäre und öffnet den Blick ins Unendliche.
Das hier gezeigte Gemälde „Grenzgänger“ von 1985 macht diese Auseinandersetzung sichtbar. Aus einer dunklen, kosmischen Ferne fällt Helligkeit über eine unwirkliche Landschaft. Figuren und rätselhafte Formen treten aus dem Licht hervor, werfen lange Schatten und scheinen zwischen Nähe und Unerreichbarkeit zu schweben.
Gerade diese Spannung gilt als besondere Stärke. Puetz verbindet romantische Landschaftserfahrung mit existenziellen Fragen: Verfall und zerstörte Natur, Macht und Ohnmacht, Aufbruch und Scheitern. Seine Bilder geben keine fertigen Antworten. Sie lassen den Betrachter in ein „anderes Land“ aufbrechen [Münchner Merkur, 03/1986] und werden zum „Spielplatz fürs Auge“. [Was ist Wirklichkeit?, 12/1986]
Die Presse erkennt darin Potenzial: handwerkliche Meisterschaft verbindet sich mit Vorstellungskraft und gedanklicher Offenheit. Als vielversprechend erscheint vor allem, wie selbstverständlich er reale und phantastische Elemente zu einer Einheit fügt und dem Zufall im Malprozess Raum gibt, ohne die Klarheit seiner Kompositionen preiszugeben. Die treffendste Formulierung lautet: „Er malt, was ihn drängt.“ [Süddeutsche Zeitung, 03/1986] Seine Kunst entsteht aus persönlicher Notwendigkeit – und weist gerade deshalb schon weit über ihre Zeit hinaus.
05.09.2026